Band „Wiener Wahnsinn“: Sponsoring-Geld floss laut Zeugen direkt in Musikvideos

17.03.2026


Im Verfahren rund um die insolvente Immobiliengesellschaft Wienwert haben erste Zeugenaussagen die Position des mitangeklagten SPÖ-Bezirksvorstehers von Wien-Donaustadt, Ernst Nevrivy, gestärkt. Vor dem zuständigen Gericht wird geprüft, ob der Kommunalpolitiker dem früheren Wienwert-Chef Stefan Gruze vertrauliche Informationen über den Standort einer geplanten Remisenerweiterung der Wiener Linien weitergegeben haben soll. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft Nevrivy in diesem Zusammenhang unter anderem Verletzung des Amtsgeheimnisses vor, gegen Gruze richtet sich der Verdacht der Untreue. Beide weisen die Vorwürfe zurück; es gilt die Unschuldsvermutung.

Kern des Anklagevorwurfs ist ein Grundstücksdeal: Gruze soll nach Darstellung der WKStA jene Liegenschaft erworben haben, auf der die Erweiterung der Remise geplant gewesen sei, und diese anschließend gewinnbringend an den städtischen Öffi-Betreiber veräußert haben. Der Stadt Wien sei dadurch ein Schaden von rund 850.000 Euro entstanden. Im Gegenzug soll Nevrivy laut Anklage unter anderem VIP-Tickets für Wiener Fußball-Derbys sowie für Spiele der österreichischen Nationalmannschaft erhalten haben. Zusätzlich soll die bei Nevrivy beliebte Band „Wiener Wahnsinn“ Sponsorgelder von Wienwert bekommen haben.

Als erster Zeuge der aktuellen Verhandlung trat der ehemalige Rapid-Manager und Stiefsohn Nevrivys auf. Er bestätigte die Darstellung des Politikers, wonach VIP-Einladungen zu Spielen für ihn jederzeit leicht zu organisieren gewesen seien. Nevrivy hätte „mit Sicherheit“ auch kurzfristig zu Partien kommen können, sagte der Ex-Funktionär und verwies darauf, dass er auch für Länderspiele Karten besorgen konnte. Der Bezirksvorsteher hatte bereits Ende Jänner im Zeugenstand erklärt, er halte den Vorwurf, mit VIP-Karten bestochen worden zu sein, für wenig überzeugend.

Ein weiteres Schlaglicht fiel auf das Sponsoring der Rockband „Wiener Wahnsinn“. Ein Bandmitglied schilderte vor Gericht, dass die Gelder von Wienwert nach seiner Kenntnis eins zu eins in die Produktion von Musikvideos geflossen seien. Nevrivy sei „Fan der ersten Stunde“ und über eine – letztlich abgelehnte – Kulturförderung über den Finanzbedarf der Gruppe informiert gewesen. In der Folge sei es zu einem Treffen zwischen der Band und Wienwert-Chef Gruze gekommen, bei dem das Sponsoring vereinbart worden sein soll. Welche rechtliche Bedeutung diese Kontakte im Lichte der Korruptionsvorwürfe haben, bleibt Aufgabe des Gerichts – die Beweisaufnahme in der Causa Wienwert ist noch nicht abgeschlossen.

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Nur jeder zweite Vulva- und Peniskrebsfall ist HPV-bedingt

17.03.2026


Im Vorfeld des internationalen HPV-Kongresses EUROGIN, der vom 18. bis 21. März im Austria Center Vienna stattfindet, weisen Fachleute darauf hin, dass Humane Papillomaviren (HPV) nur einen Teil der Ursachen für anogenitale Krebserkrankungen ausmachen. Zwar sind HPV nach aktuellen Angaben für rund 95 Prozent der Plattenepithelkarzinome am Gebärmutterhals und am Anus verantwortlich, doch bei Krebs an Vulva und Penis wird nur etwa die Hälfte der Fälle mit dem Virus in Verbindung gebracht. Die übrigen Tumoren entstehen ohne nachweisbare HPV-Beteiligung – und diese HPV-unabhängigen Formen gelten als häufig aggressiver.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet im Anogenitalbereich, zu dem Gebärmutterhals, Anus, Penis und Vulva zählen, systematisch zwischen HPV-induzierten und HPV-unabhängigen Karzinomen. HPV-assoziierte Tumoren werden als Spätfolge einer sexuell übertragenen HPV-Infektion eingeordnet. Die genauen Ursachen für HPV-negative Karzinome sind dagegen bislang nur unvollständig geklärt, heißt es in einer Aussendung des Austria Center Vienna. Dermapathologin Sigrid Regauer betont, die Ätiologie dieser HPV-negativen Formen sei nach wie vor Gegenstand intensiver Forschung.

Für die klinische Praxis ist die Unterscheidung nach Angaben Regauers entscheidend. HPV-unabhängige Krebserkrankungen entwickeln sich demnach deutlich schneller als HPV-induzierte Karzinome. Bei letzteren vergehen zwischen Infektion, dem Auftreten nicht-invasiver Krebsvorstufen und dem Übergang in ein invasives Karzinom oftmals viele Jahre bis hin zu Jahrzehnten. Dieses langsame Fortschreiten eröffnet behandelnden Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit, neben chirurgischer Entfernung oder Lasertherapie auch zeitintensivere Therapieansätze zu verfolgen. Bei HPV-negativen Tumoren bleibt dieses therapeutische Zeitfenster in der Regel enger.

Besonders bei HPV-negativen Vulva- und Peniskarzinomen spielen entzündliche Hauterkrankungen eine gewichtige Rolle. Nach den vorliegenden Angaben entstehen etwa zwei Drittel dieser Tumoren auf dem Boden von Dermatosen, also chronischen Entzündungen der Haut wie Ekzemen. Solche Dermatosen treten häufig gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auf. Für Expertinnen und Experten unterstreicht dies, dass Prävention und Früherkennung von Genitalkrebs nicht allein durch HPV-Impfprogramme abgedeckt werden können, sondern eine differenzierte dermatologische und immunologische Abklärung erfordern.