Entspannungssignale im Iran-Konflikt stützen Wiener Aktienmarkt

10.06.2026


Der Wiener Aktienmarkt hat zur Wochenmitte erneut fester tendiert. Der Leitindex ATX gewann im Verlauf 0,95 Prozent auf 6.061,55 Punkte, der breiter gefasste ATX Prime rückte um 0,84 Prozent auf 2.992,29 Zähler vor. Auch an den wichtigsten europäischen Börsen überwogen Aufschläge. Von der US-Seite kamen indes kaum Impulse: Die jüngst veröffentlichte Handelsbilanz entsprach weitgehend den Erwartungen, das Defizit verringerte sich im April leicht, nachdem die Exporte ein Rekordniveau erreicht hatten.

Stützend wirkten an den Märkten Signale einer Entspannung im Nahen Osten. US-Präsident Donald Trump stellte den Abschluss einer Vereinbarung zur Beendigung des Iran-Kriegs in den nächsten Tagen in Aussicht. Man befinde sich in den „letzten Zügen“ eines nach seinen Worten sehr guten Abkommens. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu erklärte zudem, die Angriffe auf den Iran seien eingestellt worden. Marktteilnehmer bleiben dennoch vorsichtig, da beide Seiten für den Fall von Vertragsverstößen mit härteren Kämpfen drohten.

Im ATX Prime setzten sich einmal mehr AT&S an die Spitze. Die Aktien des Leiterplatten- und Halbleiterspezialisten stiegen im Tagesverlauf um 4,8 Prozent, nachdem sie bereits am Vortag mit einem Plus von 4,2 Prozent zu den stärksten Werten gezählt hatten. Seit Jahresbeginn summiert sich das Kursplus auf 353 Prozent. Auf der Verliererseite notierten in einer anderen Handelssession Frequentis mit einem Minus von 4,0 Prozent sowie Kapsch TrafficCom, die am Nachmittag ebenfalls 4,0 Prozent einbüßten. Die ex-Dividende gehandelten Papiere des Flughafen Wien standen zusätzlich unter Druck.

Deutlich freundlicher präsentierten sich die Finanzwerte. Die Erste Group avancierte mit Kursgewinnen von rund 1,9 Prozent auf etwa 102,80 bis 102,90 Euro zu einem der stärksten Titel im Leitindex. Rückenwind kam von einer Studie der Deutschen Bank: Die Analysten bestätigten ihre Kaufempfehlung „Buy“ und beließen das Kursziel bei 121 Euro. Die Aktie sei weiterhin attraktiv bewertet, hieß es. Auch die übrigen Schwergewichte aus dem Bankensektor zeigten sich überwiegend fester: BAWAG legte je nach Betrachtungszeitpunkt um 1,3 bis 1,7 Prozent zu, während Raiffeisen Bank International zwischenzeitlich 0,4 Prozent zulegte, in einer anderen Session jedoch 0,8 Prozent abgab.

Versicherungswerte verbuchten ebenfalls solide Zuwächse. Vienna Insurance kletterte im Tagesverlauf um bis zu 3,0 Prozent, in einer anderen Sitzung um 1,7 Prozent. Uniqa gewann zwischen 1,4 und 1,5 Prozent. Belastet wurde der Markt hingegen von Kursverlusten beim Öl- und Gaskonzern OMV, dessen Anteilscheine im Sog sinkender Ölpreise zwischen 0,7 und 1,2 Prozent nachgaben. Am Vienna Global Market konnten die Titel des Kupferunternehmens Asta Energy Solution zulegen; sie gewannen 2,36 Prozent auf 69,40 Euro.

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Gesundheitsplan 2040+: Mehr Spezialisierung, weniger Kirchturmdenken in der Thermenregion

12.06.2026


Der seit Jahren diskutierte Neubau des Universitätsklinikums Wiener Neustadt nimmt eine entscheidende Hürde. Ende Juni soll die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für eines der größten Gesundheitsprojekte Niederösterreichs eingereicht werden. Läuft das Verfahren ohne größere Verzögerungen, könnte 2027 der Baubeginn für das neue Großspital erfolgen. Das Projekt ist zentraler Bestandteil des Gesundheitsplans 2040+ des Landes und soll die Versorgung in der Thermenregion langfristig neu ordnen.

Finanziell ist der Neubau zu einem Milliardenprojekt angewachsen. Als der niederösterreichische Landtag 2019 grünes Licht gab, wurden die Kosten noch auf rund 500 Millionen Euro geschätzt. Inzwischen kalkuliert das Land mit knapp 1,5 Milliarden Euro. Finanz- und Gesundheitslandesrat Anton Kasser (ÖVP) machte bei einem Pressetermin deutlich, dass diese Summe nicht weiter steigen dürfe; Ziel sei es vielmehr, unter dem vorgegebenen Budgetrahmen zu bleiben. Zusätzliche Ausstattungswünsche, so Kasser, seien nicht vorgesehen – „kein Schnickschnack“.

Inhaltlich ist der Neubau eng mit einer tiefgreifenden Strukturreform in der Thermenregion verknüpft. Der Gesundheitsplan 2040+ setzt auf stärkere Spezialisierung und standortübergreifende Zusammenarbeit statt auf die bisherige Logik einzelner Häuser. So wurden etwa einzelne Fachrichtungen zwischen den Kliniken verschoben, um Kompetenzen zu bündeln. Bereits umgesetzt ist ein gemeinsames onkologisches Versorgungskonzept der Häuser Baden und Wiener Neustadt, das als Musterbeispiel für die neue regionale Ausrichtung gilt.

Die onkologische Abteilung unter der Leitung von Birgit Grünberger arbeitet seit Jahresbeginn standortübergreifend als ein gemeinsames Team. Tägliche Besprechungen zu aktuellen Fällen und ein „Tumorboard“ sollen die Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten koordinieren. Nach Angaben der Landesgesundheitsagentur sind alle Klinikstandorte in ein Tumornetzwerk eingebunden, das eine wohnortnahe, zugleich hochspezialisierte onkologische Versorgung ermöglichen soll. Vorständin Elisabeth Bräutigam und Landesrat Kasser betonen, dass damit der Schritt von der Einzelklinik hin zu regional organisierten Versorgungsstrukturen vollzogen werde – mit dem künftigen Universitätsklinikum Wiener Neustadt als zentralem Baustein.