Mercedes-Benz Vans schärft Kurs auf Firmenkunden und E-Mobilität

12.03.2026


Mercedes-Benz Vans stellt seine Strategie neu auf und will den Fokus noch stärker auf gewerbliche Kunden richten. Nach einem Absatzrekord im Jahr 2023 mit 447.800 verkauften Einheiten verzeichnete die Sparte in den Folgejahren einen Rückgang und kam 2025 auf 359.136 Fahrzeuge. Für das laufende Jahr erwartet der Konzern wieder ein leichtes Plus. Mittelfristig soll die Vans-Sparte nach den Worten von Bereichsvorstand Thomas Klein wieder in Größenordnungen vorstoßen, die sie bereits erreicht hatte – einen konkreten Zeitraum nennt er dafür nicht.

Rund 80 Prozent des Geschäfts entfallen laut Klein auf gewerbliche Kunden, etwa Handwerker, Spediteure und Lieferdienste. In diesem Segment sind Modelle wie der Sprinter und der Vito besonders gefragt. Die übrigen 20 Prozent entfallen auf private Käufer, die beispielsweise die V-Klasse mit bis zu acht Sitzen oder die Reisemobil-Variante Marco Polo nutzen. Angesichts der Bedeutung des Profisegments bewertet Klein es als konsequent, gewerblichen Kunden in der künftigen Ausrichtung noch mehr Raum einzuräumen und sie „noch stärker, noch intensiver und noch besser“ zu betreuen.

Ein zentrales Element der Neuausrichtung ist der Ausbau der E-Mobilität. Der Anteil vollelektrischer Vans lag zuletzt bei rund acht Prozent und damit leicht unter dem Pkw-Anteil des Konzerns. Gewerbliche Kunden hätten andere Anforderungsprofile als private Nutzer, betont Klein – etwa bei Reichweite, Ladeinfrastruktur und Betriebskosten. Mercedes-Benz Vans will Flottenkunden beim Umstieg auf batterieelektrische Fahrzeuge stärker unterstützen, unter anderem mit Lösungen für das Laden im Depot, um den täglichen Einsatz im Verteiler- und Serviceverkehr zu erleichtern.

Parallel zur strategischen Schwerpunktsetzung auf E-Mobilität und gewerbliche Käufer arbeitet die Sparte an der Profitabilität. Die Umsatzrendite lag 2025 bei 10,2 Prozent und damit niedriger als zuvor, wird von Klein aber weiterhin als positiv bewertet. Impulse erhofft sich Mercedes-Benz Vans von neuen Modellen auf einer eigens entwickelten Van-Architektur. Dazu zählt der elektrische VLE, der Platz für bis zu acht Personen bietet und damit sowohl Familien als auch exklusive Shuttle-Dienste adressiert. Die Markteinführung solcher Fahrzeuge gilt intern als wichtiger Baustein, um Absatz und Ertragskraft der Vans-Sparte wieder zu steigern.

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„Kellerbüro“, Laptop, Lieblingsitaliener: Neue Details im Fall Pilnacek vor dem U-Ausschuss

13.03.2026


Im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Causa des verstorbenen früheren Justiz-Sektionschefs Christian Pilnacek rücken heimliche Aufzeichnungen und der Umgang mit digitalen Spuren zunehmend ins Zentrum. Am achten Ausschusstag standen der Investigativjournalist Michael Nikbakhsh und der Unternehmer Christian Mattura im Fokus – zwei Akteure, die vertrauliche Gespräche mitschneiden, ohne ihre Gegenüber zu informieren. Parallel vertiefen die Abgeordneten ihre Fragen zu Logfiles, Löschvorgängen und der ungewöhnlichen Wanderung von Datenträgern aus Pilnaceks Umfeld.

Bereits am Vortag hatten eine Einsatzleiterin am Fundort der Leiche sowie ein IT-Techniker aus dem Justizministerium ausgesagt. Der Techniker berichtete von zahlreichen unterschiedlichen Zugriffen und Löschungen auf Pilnaceks USB-Sticks, externen Datenträgern, seinem Laptop und seiner Smartwatch; eine große Menge an Daten sei abgezogen worden. Laut der grünen Fraktionsvorsitzenden Nina Tomaselli wurden in den Logfiles mehrere Änderungen und Einsichten durch verschiedene Polizeibedienstete festgestellt. Die Grünen kündigten einen Antrag auf Rüge des Justizministeriums an und gehen dabei von fraktionsübergreifender Zustimmung aus.

Nikbakhsh, der in seinem Podcast „Die Dunkelkammer“ die „wundersamen Wege“ von Pilnaceks Daten nachzeichnet, musste im Ausschuss auch zu einem Treffen in seinem „Kellerbüro“ Stellung nehmen. Am 9. Dezember 2023, rund eineinhalb Monate nach Pilnaceks Tod, trafen sich dort Pilnaceks Vertraute Karin Wurm, deren Mitbewohnerin Anna P., der Lobbyist Peter Hochegger und Unternehmer Christian Mattura. Mattura hatte das dreistündige Treffen initiiert. Hocheggers Erscheinen sei von einem mittlerweile verstorbenen deutschen Unternehmer veranlasst worden, der als eine Art väterlicher Freund Pilnaceks galt; Nikbakhsh sprach von eigener Überraschung über dessen Teilnahme. Zu dessen Rolle könne er wenig sagen, betonte aber, dass dieser Zweifel an einem Suizid Pilnaceks gehabt habe – Zweifel, die Nikbakhsh selbst weiterhin äußert.

Besondere Aufmerksamkeit gilt den Aussagen von Anna P., einer langjährigen Mitarbeiterin von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, die im Ausschuss frühere Schilderungen aus dem „Kellerbüro“ abschwächte. Dort soll sie laut Nikbakhsh bereits 18 Minuten nach Beginn des Gesprächs berichtet haben, Bundespolizeidirektor Michael Takacs habe ihr geraten, Pilnaceks Laptop verschwinden zu lassen. Alkohol sei zu diesem Zeitpunkt nicht im Spiel gewesen, der Abend sei keineswegs „abstrus“ verlaufen, wie P. später im Ausschuss dargestellt habe. Parallel zeichnet der zweite Zeuge des Tages, Unternehmer Mattura, ein weiteres Bild der Causa: Er schilderte, wie er am 28. Juli 2023 in Pilnaceks Lieblingsitaliener in der Wiener Innenstadt ein Gespräch mit Pilnacek und dem gemeinsamen Freund Wolfgang Rauball heimlich mit seinem Smartphone aufnahm, nachdem sich Pilnacek über Druck aus der ÖVP in Rage geredet habe.

Monate später sei aus Matturas Sicht eine rote Linie überschritten worden, als Ex-Kanzler Sebastian Kurz öffentlich erklärte, die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) habe Pilnacek „aufgesessen“ beziehungsweise Jagd auf ihn gemacht. Diese Darstellung habe in krassem Widerspruch zu Pilnaceks Ausführungen beim Italiener gestanden, so Mattura. Er und Rauball hätten sich daraufhin entschlossen, die Aufnahme Medien zugänglich zu machen; Kurz’ Aussagen bezeichnete er als „Schweinerei“. Damit rückt der Ausschuss nicht nur die technischen Spuren von Logfiles, gelöschten Daten und wandernden Geräten in den Mittelpunkt, sondern auch die politische Sprengkraft vertraulicher Gespräche, die erst im Nachhinein und unter geänderten Rahmenbedingungen öffentlich werden.