
Der Ständerat hat Pläne für deutlich mehr verkaufsoffene Sonntage in der Schweiz vorerst gestoppt. In der kleinen Kammer fand eine Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten am Sonntag keine Mehrheit. Mit 22 Nein- zu 21 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung beschloss der Rat, gar nicht erst auf den Entwurf seiner Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK-S) einzutreten, der bis zu zwölf bewilligungsfreie Sonntagsverkäufe pro Jahr ermöglicht hätte.
Entscheidend war eine parteiübergreifende Allianz, die sich gegen die Reform stellte. Mitglieder von SP, Grünen, Mitte und SVP formierten sich zu einer sogenannten „Sonntagsallianz“ und verteidigten den besonderen Status des letzten Wochentags. Der Sonntag stehe für Erholung, Freizeit und soziale Beziehungen, argumentierten mehrere Ratsmitglieder. Mitte-Ständerätin Andrea Gmür-Schönenberger bezeichnete ihn als „Atempause unserer Gesellschaft“ und machte deutlich, dass sie zwar grundsätzlich liberalere Öffnungszeiten befürworte, den Sonntag aber nicht preisgeben wolle.
Damit bleibt die rechtliche Lage vorerst unverändert. Während die Kantone von Montag bis Samstag weitgehend selbst über Ladenöffnungszeiten entscheiden können, gilt für Sonntage das Bundesrecht, insbesondere das Arbeitsgesetz. Heute dürfen Gemeinden und Kantone maximal vier Sonntage pro Jahr für bewilligungsfreie Sonntagsverkäufe freigeben. Sonntagsarbeit ist im Grundsatz verboten und nur mit Sonderbewilligung oder in gesetzlich geregelten Ausnahmen – etwa in Spitälern, der Gastronomie, bei Polizei, Rettungsdiensten oder Medienbetrieben – zulässig.
Für den Detailhandel bedeutet der Entscheid einen Dämpfer in einem langjährigen politischen Dauerstreit um liberalere Öffnungszeiten. Befürworter zusätzlicher Shopping-Sonntage argumentieren seit Jahren mit veränderten Konsumgewohnheiten und Wettbewerbsdruck, insbesondere durch den Onlinehandel. Gegnerinnen und Gegner betonen hingegen den Schutz der Arbeitnehmenden und den gesellschaftlichen Stellenwert des arbeitsfreien Sonntags. Wie es weitergeht, liegt nun beim Nationalrat, der sich als nächstes mit der Frage der Sonntagsverkäufe befassen muss.

Der taiwanesische Technologiekonzern Ennoconn Corporation hat seine Beteiligung an der Kontron AG auf über 30 Prozent der Stimmrechte ausgebaut und damit ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre des Linzer Unternehmens ausgelöst. Wie Kontron mitteilte, plant Ennoconn, den Anteilseignern 23,50 Euro je Aktie in bar zu bieten. Das Papier der auf industrielle IT- und IoT-Lösungen spezialisierten Kontron ist an der Frankfurter Wertpapierbörse unter der ISIN AT0000A0E9W5 (WKN A0X9EJ) notiert.
Der Angebotspreis liegt Kontron zufolge 2,4 Prozent über dem Schlusskurs vom 9. Juni 2026 und nur geringfügig über dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpreis von 23,48 Euro, auf den Ennoconn verweist. Kontron kündigte an, das Pflichtangebot, insbesondere die Angemessenheit der Konditionen, im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben zu prüfen und dazu Stellung zu nehmen. Bereits seit gut einem Monat hatte das Management die Möglichkeit eines Übernahmeangebots in Aussicht gestellt, nachdem sich die Beteiligung von Ennoconn schrittweise erhöht hatte.
Im Vorfeld hatte Kontron ein Aktienrückkaufprogramm („Aktienrückkaufprogramm I 2026“) aufgelegt, im Rahmen dessen bis 5. Juni insgesamt 1.371.736 eigene Aktien zurückerworben wurden. Angesichts des anstehenden Pflichtangebots wird dieses Programm nun mit sofortiger Wirkung bis zur Durchführung des Angebots pausiert. Der Rückkauf war über ein beauftragtes Kreditinstitut an verschiedenen Handelsplätzen umgesetzt worden; Details zu den Transaktionen stellt Kontron auf seiner Investor-Relations-Website zur Verfügung.
Kontron-CEO Hannes Niederhauser hat signalisiert, dass er dem neuen Großaktionär nicht andienen will: Er werde das Pflichtangebot für seinen eigenen Anteil von rund 2,2 Prozent des Grundkapitals – das entspricht 1.393.963 Aktien – nicht annehmen, erklärte er. An der Börse reagierte der Markt zunächst verhalten: Die Kontron-Aktie schloss im Xetra-Haupthandel bei 22,40 Euro, zog im nachbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate im Zuge der Nachricht jedoch auf 23,22 Euro an. Wie sich andere institutionelle und private Investoren gegenüber dem Angebot positionieren, bleibt vorerst offen.